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Marcusplatz

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'Nach dem Marcusplatz drängt, am Marcusplatz hängt doch alles', schießt einem frei nach Goethe in den Kopf, kurz bevor man ihn erreicht. Ganz besonders, wenn man über den Flaschenhals des westlichen Zugangs aus der zuvor dicht bebauten Stadt auf die Piazza San Marco tritt. Die Weite der nördlich und südlich verlaufenden Prokuratien, ehemals Verwaltungsgebäude der Republik Venedig aus dem 16. und 17. Jahrhundert, lenken den Blick auf die Basilica di San Marco und den Campanile, den Glockenturm. Schnell verstreuen sich die Mitströmenden auf der Weite des Platzes und streben je nach Geschmack einem der Museen, den Mosaiken der Basilika, der Aussicht vom Glockenturm oder den Annehmlichkeiten der Cafes und Restaurants entgegen. Unübersehbar auch die Zahl der Tauben. Begeistert rennen Kinder auf sie zu, ganz mutige stellen sich als Ruhestange mit ausgebreiteten Armen zur Verfügung, während manch andere verunsichert nach oben schauen, halb in Erwartung einer feuchten Grußbotschaft.

Basilica di San Marco

Die Basilica wurde in Anlehnung an byzanthinische Vorbilder 1063–1094 erbaut, ihr Grundriss orientiert sich daher an einem griechischen Kreuz mit einem etwas längeren Westflügel. Eine zentrale Vierungskuppel und Kuppeln über den Kreuzarmen machen ihre imposante Gestalt aus, fünf Portale zeigen zur Piazza hin. Das Charakteristikum der Basilika sind die zahlreichen und bedeutenden Mosaiken, überwiegend aus dem 13. Jahrhundert, nach dem Sieg über Konstantinopel. Der Baukörper selbst ist - wie auch der Glockenturm - aus Ziegel. Auf diese Grundlage wurden Zementschichten aufgetragen in deren noch feuchte Oberfläche die Mosaiksteine eingelegt wurden. Die Mosaiken von San Marco zählen zu den flächenmäßig größten der Welt. Daneben ist noch der übliche überbordende Reichtum an Säulen, Marmor und Gold zu erwähnen...

Dass mit der Basilika ein so enormer Aufwand betrieben wurde, ist sicherlich seiner Eigenschaft als Staats- und Palastkirche der Dogen direkt neben dem Dogenpalast geschuldet. Ganz anders beim Bischofssitz: Er liegt - dem Machtanspruch der Republik Venedig entsprechend - bewußt ziemlich im Abseits auf der östlichen Insel Olivolo, bis ins 19. Jahrundert durch keinerlei Brücke mit der Stadt verbunden. Wenn das kein Affront war.

Uhrturm (Torre dell’Orologio)

Der Uhrturm stammt aus dem Jahre 1499. Seine astronomische Uhr zeigt die Mond- und Sonnenphasen und die Tierkreiszeichen an. Wer zur rechten Zeit ankommt oder die nötige Geduld aufbringt, sollte sich zur vollen Stunde hier einfinden, wenn zwei Bronzefiguren die Stundenglocke schlagen.

Prokuratien

Bis auf die östliche Schmalseite mit der Basilica ist die Piazza von erstaunlich einheitlichen Gebäuden umgeben. Dabei handelt es sich um ehemalige Verwaltungsgebäude der Republik Venedig, die sog. Prokuratien. Alt sind sie alle, dennoch heißen nur die nördlichen so, der südliche Gebäuderiegel wird "Neue Prokuratien" genannt. Die alten von 1514 an, die neuen von 1583 an errichtet - wie man sieht, hatte sich im Verlauf von zwei Generationen der Verwaltungbedarf verdoppelt, schon damals ein Zeichen für Fortschritt. Der westliche Abschluß ist dagegen fast schon hypermodern, wurde doch hier erst unter napoleonischer Herrschaft eine Kirche niedergerissen, um die beiden bestehenden Flügel architektonisch zu verbinden. Das Erdgeschoss der Prokurationen dient heute deutlich wichtigeren Zwecken, hier sind Läden und Cafes untergebracht, u.a. die zwei berühmtesten Cafés Venedigs, das Gran Caffè Quadri und das Caffè Florian (seit 1683). Abends spielen hier Musiker im ständigen Wechsel und man mag sich gar nicht entscheiden, wo es jetzt am romatischsten wäre einzukehren. Marcusplatz am Abend: ein must.

Campanile

Der freistehende Glockenturm der Basilica, der Campanile, wurde bereits im 12. Jahrhundert vollendet. Der Bedeutung der Seefahrt für Venedig entsprechend ist er natürlich nicht umsonst mit seiner imposanten Höhe von fast 99m errichtet worden, er diente als Landmarke und Leuchtfeuer. Nachdem er über die Jahrhunderte mehrere Brände und Erdbeben überstanden hatte, fiel er 1902 der Moderne zum Opfer. Neben der innen umlaufenden Rampe (keine Treppe!) wollte man einen Aufzug einbauen und hatte dafür Metallanker entfernt. Am Vormittag des 14. Juli fiel der Turm zu einem Haufen Ziegelschutt zusammen.  Die Stadt beschloss, ihn vollständig wieder aufzubauen "dov’era e com’era" (wo und wie er war). Was wir heute sehen, ist also eine 100%ige Rekonstruktion - eine sehr gelungene, darf man sagen.

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